die geschichte der brille

Die Antike

Sehr lange Zeit galt der römische Kaiser Nero als erster Mensch, der eine Brille benutzt hat. Seine Kurzsichtigkeit und der Satz eines bekannten antiken Autors (Plinius) - "Nero beobachtete die Gladiatorenkämpfe durch einen Smaragd" waren der Grund dieser Annahme.

Doch neuere Forschungen haben ergeben, dass es in der Antike keine Brillen gab. Es fehlten die optisch-technischen Kenntnisse. Es war zwar die vergrößernde Wirkung des Wassers bekannt und man zog aus dieser Beobachtung einen gewissen Nutzen, aber vergrößernde Lesehilfen waren unbekannt.

Was der römische Kaiser Nero aber hatte, war eine Art Sonnenschutzglas aus grünen, durchsichtigen Mineralen und Gläsern gegen das Blenden der Sonne in der Arena. Wenn man so will, gab es in der Antike also eine Art Vorform der Brille.

Das Hochmittelalter

Das 13. Jahrhundert gilt als Jahrhundert der Kultur, der Wissenschaften und der religiösen Erneuerung. Mönchsorden verbreiteten ihre Kultur über ganz Europa.

Man vermutet, dass die Brille 1280 in einem Kloster in Oberitalien erfunden wurde. Italien war damals, mit den Glaswerkstätten von Murano, der bedeutendste Standort für die Herstellung von Glas.

Grundlage für die Erfindung der Brille war wissenschaftliche Kenntnis über die Brechung des Lichts, die mit der arabisch-islamischen Wissenschaft der Optik eingeführt wurde.

Das Spätmittelalter

Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung katholischer Klosterorden wurde die Brille schnell in Europa verbreitet. Doch aufler bei den Geistlichen, die sich täglich mit Lesen und Schreiben befassten, fand die Brille in der Gesellschaft kaum Verwendung.

Trotzdem breitete sich von Norditalien ausgehend ein Brillenmacherhandwerk auflerhalb der Klostermauern aus, das sich schon bald in England, Holland und Deutschland etablierte. Besonders in Nürnberg und Regensburg entstand parallel aus dem Gewerbe der Glasbearbeitung ein erstes deutsches Brillenmacherhandwerk.

Es gab erste Brillenfassungen aus Eisen, Holz, Horn oder Knochen und es ist bekannt, dass im 15. Jahrhundert die erste Bügelbrille entstand.

Im Laufe der Zeit wurden die Materialien und Formen der Brillen immer vielfältiger.

Das Zeitalter der Reformation

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg und die Reformation Luthers gehören aus heutiger Sicht historisch zusammen.

Die Reformation brachte auch das einfache Volk dazu, sich täglich mit dem Lesen der Bibel zu befassen.

Der Aufschwung des Buchdrucks in eine nie zuvor gekannte Intensität und die wachsende Verbreitung der Lesefähigkeit führten auch zu einem neuen Aufschwung in der Brillenproduktion. Dies führte im Jahrhundert darauf zur Massenproduktion der Nürnberger Drahtbrille (siehe Barock). Das 16. Jahrhundert hat auch die Typenvielfalt der Brillen erweitert: Es entstanden z. B. Riemenbrillen, die man dank breiter Lederriemen um den Kopf schnallen konnte, oder Fadenbrillen, mit Schlingen versehene Bügelbrillen, die man am Ohr befestigte.

Das Zeitalter des Barock

Der Barock (17. und frühes 18. Jahrhundert) war eine Epoche der Wissenschaften. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde das Fernrohr erfunden. Durch die stetige Verbesserung der Gläser für Teleskope und Fernrohre hatte diese Erfindung auch positive Auswirkung auf die Qualität der Brillengläser.

Die Nürnberger Drahtbrille wurde zum erfolgreichsten Brillenmodell der damaligen Zeit. Sie bestand aus einer einfachen Fassung, die aus einem Stück Draht über Vorform geformt wurde. In diese Fassung wurden dann die Gläser eingesetzt.

Die Brillen und Gläser wurden damals so lange ausprobiert, bis sie für den Käufer geeignet erschienen.

Die Nürnberger Drahtbrille wurde bis ins 19. Jahrhundert hinein als Massenprodukt sehr erfolgreich verkauft.

Das 18. Jahrhundert

Dem 18. Jahrhundert verdanken wir die heutige Brillenform. Zunächst brachte man seitliche Stangen an den Brillen an, die der Brille Halt am Kopf brachten. Der Schritt zum Brillenbügel für die Ohren war schnell getan. Die Stangen wurden einfach verlängert, so dass sie hinter dem Ohr Halt fanden. Unsere heutige Brillenform wurde also recht spät entwickelt. Das erklärt sich daraus, dass es bis ins 19. Jahrhundert unüblich und geradezu verpönt war, stets eine Brille zu tragen. Man benutzte sie nur dann, wenn man sie unmittelbar brauchte.

Trotz allem setzte sich die Ohrenbrille nicht sofort durch. Die Nürnberger Drahtbrille beherrschte in Deutschland den Markt. Mit dem Aufstieg des Bürgertums traten auch andere Formen der Sehhilfen vermehrt auf: Lorgnetten und Scherenbrillen etwa wurden nach französischen Mustern produziert. Bild: Schläfenbrille, um 1790

Das 19. Jahrhundert

Gleich zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein neues Kapitel in der Geschichte der Brille aufgeschlagen: Die Gründung der Brillenmanufaktur im brandenburgischen Rathenow durch J. H. A. Duncker im Jahre 1801. Die Stadt Rathenow entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zur führenden deutschen Produktionsstätte für Brillen und blieb dies auch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein.

Durch das Studienfach Augenheilkunde, das sich in den Universitäten in Deutschland etablierte, wurde auch die Brillenproduktion auf ein neues wissenschaftlich-technisches Niveau gebracht. Die genaue Brillenanpassung, wie man sie heute kennt, wurde in dieser Zeit entwickelt.

Mit der glastechnischen Revolution in der zweiten Jahrhunderthälfte, die namentlich durch Carl Zeiss und Otto Schott geprägt wurde, hatte die Brillenproduktion schliefllich einen Stand erreicht, an den sie noch heute anknüpft.

Die 1883 vom Reichskanzler Bismarck eingeführten ersten Sozialgesetze waren der Grundstein für die ersten "Kassenbrillen".

Das 20. Jahrhundert

Dank der hohen handwerklich-technischen Standards der Optiker, der entwickelten Wissenschaft der Augenheilkunde, der allgemeinen öffentlichen Versorgung mit Lesehilfen (Kassenbrille) und der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet der Glastechnik war Deutschland zu Anfang des 20. Jahrhunderts das weltweit bedeutendste Produktionsland für Brillen.

Die Entwicklung von Kunststoffen brachte eine Revolution im Bereich der Brillenfassungen. In den zwanziger und frühen dreifliger Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren es besonders die Brillenhersteller Zeiss und Busch sowie Nitsche & Günther in Rathenow, die neue Brillen und innovative Fassungen entwickelten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die Entwicklung des Designs mit einem zuvor nicht gekannten Formenreichtum fort. Die Brille war jetzt (vollends) nicht mehr nur Lesehilfe, sondern zugleich ein modisches Accessoire. Nur die Kassenbrille blieb zunächst von dieser Entwicklung ausgenommen, sie war immer noch zeitlos hässlich.

Es ist nicht zuletzt der Verdienst Günther Fielmanns, dass das Einheitsmuster der Kassenbrillen durch modische Vielfalt abgelöst wurde. Denn im Jahre 1972 wurde ein neues Kapitel der Brillengeschichte geschrieben: die Gründung der ersten Fielmann-Niederlassung in Cuxhaven. Heute ist die Fielmann AG einer der größten Optikanbieter Europas.